Inhalt:
1. San Francisco, Hörspieltext
2. Die Gesänge des Steuermanns, Liebesgedichte
auch als Buch lieferbar: handgebunden, mit Zeichnungen von Jegor Wyssozkij. 30,- Euro
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da meine Geschichte und Gedichte erstaunlich viele Besucher anziehen, bitte ich Sie, falls Sie die Texte dauerhaft downloaden oder sogar ausdrucken,
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ghw@suennenblink.de
San Francisco
Hörspieltext von Heiner Windelband
demnächst als Buch mit CD erhältlich!
Es ist empörend! Einfach empörend!
Diese Diskriminierung am Ende des 20. Jahrhunderts in einer Welt, die sich zivilisiert nennt. Dabei wollte ich nur eine Reise tun, das tun heutzutage viele. Die holländische Fluggesellschaft weigerte sich, mir ein Ticket zu verkaufen, die englische verlangte sechs Tickets für mich! Das ist nicht nur uncharmant, sondern empörend, eine Verhöhnung der Kultur! Die Diskriminierung des Tiefen!
Aber ja, ich sollte mich ersteinmal vorstellen. Ich bin ein Kontrabass, und hier geht die Diskriminierung schon los. Der Kontrabass - dabei bin ich weiblich. Meine ausladenden Hüften grazil swingend, die Anmut meines Kopfes, erdige Tiefe, tiefgrollend aus dem Untergrund, glockenklar, das ist meine Stimme.
Aber grammatikalisch werde ich zwangstranssexualisiert. Das ist diskriminierend. Na ja, das nur nebenbei. Kommen wir wieder auf die Reise. Mein Partner, ich glaube das ist das treffende Wort, auch wenn er eigentlich genaugenommen mein Diener ist, der mich trägt und entstaubt, mein Make up von Zeit zu Zeit retouchiert und auch sonst wohltuend pflegerisch in mein Innenleben eingreift, schon so manchen Riß gefüttert hat. Wenn wir aber auf der Bühne stehen, mein Partner und ich -- ich und mein fleischgewordenes ich, ich, oder er, genauer ich in seinem Arm, mit der einen Hand massiert er zärtlich meinen Hals, während die andere tollkühn bogenhaarig über meine Saiten streicht oder kraftvoll daran zupft oder das Kribbeln eines Trommelstocks, der durch meine zarten Saiten dringt - ach, ich gerate ins Schwärmen, aber diese orgiastischen Momente, die Musik, das Publikum, in der Hitze der Scheinwerfer rinnen Kolofonperlen die Saiten hinunter -- das sind Momente, die lassen mich die Unbill des Alltags beinahe vergessen.
Aber die Reise. Es sollte nach Kalifornien gehen, genauer nach San Francisco.
Mein Partner orderte standesgemäß zwei Tickets, eines für mich und eines für sich. Wir sind ziemlich unzertrennlich. Ach ja, wie ich heiße, das ist bei uns Kontrabässen das bestgehütetste Geheimnis. Bei all den Nachstellungen und Diskriminierungen heißt das Hüten unserer Namen unsere Würde bewahren.
Mein Partner nennt mich Kontraschatz, manchmal auch nur Schatz. Sie dürfen Kontrabässin zu mir sagen.
Nun gut, statt der Tickets kamen Absagen, eben die Holländer wollten gar nicht, obwohl eine Dame dort schon gesagt hatte, sie hätte schon öfters Tickets an meinesgleichen verkauft. Aber schriftlich ging dann nichts. Die Engländer meinten, eine wie ich brauche sechs Plätze. Hören Sie, das ist schlichtweg beleidigend. Ich kann Ihnen zeigen, ich, elegant in einem Flugzeug, züchtig bekleidet. Damals trug ich das kleine Schwarze.
Gut, damals ist schon etwas her, aber wir Bässe nehmen im Alter nicht zu. Falten und Narben ja, aber dicker werden wir nicht! Auch bei dieser Airline fand sich ein Gentleman, der meinen Schwestern schon Tickets verkauft hatte. Aber schriftlich dann wieder: sechs Tickets. Dafür, meinte mein Partner, könnten wir ein Schiff chartern und rübersegeln. Na ja, ich weiß nicht -- und überhaupt, für Seereisen bin ich eigentlich nicht gebaut. Dem großen Hobel sei Dank, bemühte er sich doch weiter um einen Flieger. Eine amerikanische Gesellschaft bot uns Tickets, aber das wäre dann schon eine dreiviertel Weltreise. Dreimal umsteigen; auch wenn ich noch nicht so alt bin, ist so etwas doch mehr als eine Strapaze.
Alle wollten mich in den Frachtraum verbannen; wäre ich nur ein Cello, dürfte ich neben meinem Partner sitzen. So ungerecht ist die Welt.
So wurde für mich ein Transportkoffer gebaut. Aus Aluminium, so richtig stabil und nach meiner Figur gearbeitet. Wenn schon, denn schon! Da wurde gemessen und laviert. Und als der nette Mensch dann den halbfertigen Sarg anschleppte, wurde mir doch anders. Aber es sollte noch doller kommen. Für die letzte Anprobe mußte ich mit in die Werkstatt. Nicht, daß mir Werkstätten unbekannt sind, mein Partner, mein Schatz, hat ja auch eine, aber da werden in der Regel nur meinesgleichen behandelt, so daß ich das Glück habe, oft von anderen Schwestern umgeben zu sein. Quasi als Prima inter Pares.
Aber diese Werkstatt war doch etwas ganz anderes. Das war schon eine Herausforderung an meine zarten Saiten. Die Kleidungsfrage klärte sich schnell. Wie so oft in den letzten Jahren, entschied ich mich für den roten Komplettoverall. Dieses "Outfit" erschien mir dem Rahmen angemessen. Ich gehe mit dem "Roten" auch zu Konzerten ins Vier-Jahreszeiten --aber dort genieße ich es von Zeit zu Zeit, etwas proletarisch aufzutreten, was ja sonst niemand von mir erwartet.
In dieser Werkstatt bekam ich doch etwas Bassbalkenflattern. Völlig unbegründet, sicher, aber trotzdem. Das Gehämmer und das Geräusch von zerreißendem Metall, Menschen, die sich nur schreiend unterhielten, Maschinengedröhne und der züngelnde Klang des Schweißbrenners. Doch zwischen all dem Lärm waren da auch eine Reihe recht inspirierender Klänge, die ich meinem Süßen einmal ins Ohr flüstern muß für das nächste Konzert.
Nachts wurde es dann etwas unheimlich. Allein zwischen alten Autos, ich meine richtig alten Autos. Die Kälte kroch meinen Stachel hoch. Die frisch geschweißten Bleche stöhnten regelrecht beim Erkalten und meine Decke zog sich zusammen, so daß mein Stimmstock drückte. Wissen Sie, mit Metall hab ich nicht viel am Hut, nur das bißchen Messing an der Mechanik, und natürlich mein Stachel, reines Titan! Aber sonst bin ich ja ganz aus Holz; die Decke aus Fichte, Boden, Hals und Zargen aus schön geflammtem Ahorn. Na ja, und genau das verträgt sich schlecht mit scharfen Metallkanten, schweren Werkzeugen und öligen Schrauben. Da bin ich empfindlich, denn trotz meiner imposanten Gestalt bin ich sehr leicht verletzbar und zerbrechlich! Ander seits schätze ich ja das abenteuerliche Leben. Wo haben wir nicht schon überall Musik gemacht, in Bergwerksschächten, Wassertürmen, Frisörsalons, auf Baustellen und einem Weserkahn bei Vollmond. Wir machen ja auch viel abenteuerliche Musik, mein Partner und ich.
In dieser eisenstöhnenden Kälte war mir ziemlich einsam zumute, und wenn auch Abenteuer mit Einsamkeiten bezahlt werden müssen, sehnte ich mich nach meinem warmen Zuhause.
Am nächsten Tag kam ich wieder nach Hause. Da wartete gleich die nächste unangenehme Überraschung auf mich, besser auf uns.
Die holländische Fluggesellschaft, die unseren Flug zugesagt hatte, hielt es auf einmal für unmöglich, mich in meinem Flight-Case mitzunehmen. Unglaublich! 7 Tage vor Abflug! Wir erhielten dann aber doch noch ein Angebot von der englischen Airline, so daß es, kaum zu glauben, planmäßig losgehen konnte. Das Flight-Case war erst Stunden vor unserem Aufbruch fertig. Mir war schon etwas mulmig, als sich, mit Schaumstoff und Luftkissen gepolstert, der Deckel über mir schloß.
Die Autofahrt zum Flughafen war nicht sonderlich aufregend. Aber dann wurde es wieder spannend. Zuerst wurde ich ja noch gut behandelt, doch schon beim Einladen wurde ich auf den Kopf gestellt und rüde angerempelt. Gut, daß soviel Blech um mich war. Als ich endlich verladen war, wurde mir bewußt, daß ich wieder fliegen sollte.
Seit meiner Ersterklingung vor zwölf Jahren habe ich mit meinem Partner, meinem ersten überhaupt, so manche Reise durch Europa gemacht, mit dem Auto, per Bus oder der Eisenbahn, aber lassen wir das, sonst fällt mir nur die bassfeindliche Ausstattung des ICE ein. Geflogen bin ich nur einmal im zarten Alter von zwei Jahren von Bremen nach Berlin.
Nach Amerika!
In die "Neue Welt"!
Und fliegen!
Das war schon aufregend. In die Heimat des Jazz. -- Going to San Francisco -- in a warm San Francisco night -- .Height Ashbury, auf den Spuren der Greatful Dead. Würden wir spielen, klangvoll spielen am Golden Gate ?
Aber erst einmal London im Novembernebel. Fünf Stunden Aufenthalt. Ermüdend, und auch wieder ärgerlich, wenn ich an die achtlose und ruppige Behandlung denke. Dem Flight-Case sei Dank nahm ich keinen weiteren Schaden. Über dem Atlantik wurde mir die Zeit sehr lang. Wie gerne hätte ich mich mal aufrecht ausgestreckt. Reisen war schon immer unbequem und beschwerlich.
Endlich kamen wir an. Mit einem Salto -- nicht gerade elegant -- landete ich auf amerikanischem Boden. Na, ne Beule im Blech wird wohl bleiben. Nachdem mein Partner mich wieder in Empfang genommen hatte, wurde mir wieder die gebührende Aufmerksamkeit zuteil. Der Frachtraum ist einfach unangemessen für mich, auch im Flight-Case!
Der Imigration-Officer war sehr zuvorkommend und auch unsere Abholung war bestens organisiert. Schneewittchen hieß das Fahrzeug, in dem wir in die Stadt glitten. Dort angekommen wurde ich endlich aus meinem Metallsarg ausgepackt und in der Wohnung gleich in meinen Ständer gestellt. Aber als mein Süßer mir über die Saiten strich, klang meine Stimme schrecklich dünn, auch seine Hand war unsicherer als sonst. So ganz spurlos ist die Reise doch nicht an uns vorübergegangen.
Bisher vergaß ich, den zweiten Grund unserer Reise zu erwähnen. Vielleicht weil ich’s so unwichtig finde. Es ging um eine Frau -- Bettina. Immer wenn mein Partner sich auf solche Geschichten einläßt, es kam in dem guten duzend Jahren unseres Zusammenseins nur ein paarmal vor. Aber immer wird es anstrengend. Wir spielen dann zwar besonders viel zusammen, probieren auch Neues, aber letztendlich bietet er mir von Tag zu Tag ein bemitleidenswerteres Bild. Und diesmal war es besonders schlimm. So hatte ich ihn noch nie erlebt! Ich machte mir wirklich Sorgen. Na, die gefürchtete Katastrophe beim Wiedersehen blieb aus. Wir mußten wohl erst einmal ankommen.
Ich war davon ausgegangen, daß mein Standort nur ein vorübergehender sein würde, und daß ich im laufe des Abends ins Schlafzimmer gestellt würde. Sie müssen wissen, ich schlafe immer bei meinem Schatz im Zimmer, das ist so alte Gewohnheit. Nur während Tourneen kommt es zuweilen vor, daß wir getrennt schlafen. Sonst nie, sonst streicht er mir immer noch mal zärtlich über die Saiten, bevor er ins Bett geht, schon entkleidet, gibt er mit dann noch einen Kuß auf meinen Wirbelknopf. Er ist noch ganz knackig für sein Alter. Ja, so ist das bei uns.
Aber als die beiden ins Bett gingen, wurde ich einfach im Flur stehengelassen! Wissen Sie, eifersüchtig bin ich nicht! Früher oder später hat er sich immer besonnen und sich bewußt gemacht, daß ich seine einzige wahre Liebe bin. Von mir kann er alles haben, meine Seele klingt ihm entgegen und wir wissen beide, welche Kraft in unserer Beziehung steckt. Die Bässin, der Spieler und die Erfindung der Musik.
Alles kann er von mir haben. Nur das bißchen weiche Körperlichkeit, das geht nun mal nicht, das ist unser Karma. Leider. Deswegen gönne ich ihm ja auch mal das apfelrunde Versprechen eines Brüstepaares und einen warmen Hintern. Aber das reicht dann auch!
Glauben Sie ja nicht, daß ich eifersüchtig bin auf diese Bettina, auf die nicht! Aber mich da einfach auf dem Flur stehen zu lassen und dann auch noch die Tür zuzumachen, das hat mich doch getroffen. Am Ende des Abends war ich einfach zu geschafft und dünnstimmig, eben zu Protest nicht aufgelegt .
Am nächsten Tag war Party. Da bekam ich endlich meinen angemessenen Platz neben dem Kamin im Wohnschlafzimmer mit Wolkendecke. Ich wurde gebührend bewundert und mein Schatz erläuterte sehr kompetent die Geheimnisse meines Klanges. Wir gaben dann noch eine kleine Kostprobe unseres Könnens. Jetzt war ich erst richtig da! Aber diese Sprache, das hiesige, entschuldigen Sie, Gequake hat nichts mit der gediegenen Aussprache unserer englischen Freunde gemein.
Im Laufe des Abends hörte ich mich dann doch ein und so war es ein toller Abend. Mein Süßer setzte auch durch, daß ich dort stehen bleiben durfte.
Die nächsten Tage, während sich mein Partner durch die Straßen von San Francisco wehen ließ, stand ich neben dem Kamin, konnte den Sonnenaufgang über der Stadt sehen und die erwachende Stadt hören. Die Krankenwagen des nahen Krankenhauses, die Klänge der Busse und abends, als es dunkel war, lauschte ich den Geschichten der Taxis im Lichtermeer der Stadt. Mit jedem Tag wurde meine Stimme kraftvoller und ich fühlte mich gut, den Anforderungen der nächsten Wochen gewachsen. Aber erstmal stand ich bloß rum und mein Schatz spielte nur ein paar Töne am Tag, nicht gerade inspirierend. Statt dessen beschäftigte er sich ausschließlich mit dieser Frau. Verstehe einer die Menschen! Dabei behandelte sie ihn wirklich lieblos. Sie ließ Ihn die ganze Reise machen, nur um ihn zu demütigen. Mir sollte es ja recht sein, um so schneller würde er sich in meine Saiten retten.
Dann endlich waren wir zusammen unterwegs, also rein in die Straßenbahn, die hier allerdings auch nicht geräumiger ist als in Europa -- alles ist eben nicht größer in diesem Land. Nach mehrmaligem Umsteigen kamen wir ans Ziel, mußten aber noch auf unseren Abholer warten.
Und wissen Sie, das muß ich Ihnen aber mal sagen, ich bin schon in den verschiedensten Ländern Bus oder U-Bahn gefahren und es ist schon etwas ungewöhnlich, wenn ich öffentliche Verkehrsmittel benutze. Überall reagieren die Menschen anders. Zu Hause in Deutschland sehen die Leute immer aus, als würden sie auf Vermuth kauen, aber wenn ich im knackigen Roten den Bus entere, fangen alle an zu lächeln. In England sind die Menschen auch freundlich, geben mir sogar, ich habe es wirklich erlebt, den Vortritt. In Italien hebt oft gleich ein großes Brimborium an, alle reden durcheinander. Ich stehe hilflos dazwischen, sprachlos sowieso im Overall, aber ich verstehe auch nichts, da ich des Ítalienischen nicht mächtig bin. Die dummen Sprüche wie: Du bist aber eine große Geige, oder zu meinem Partner: Solltest lieber Pikkoloflöte spielen. Also über dieserart diskriminierender Bemerkungen bin ich ja inzwischen erhaben. Die gab es auch hier, aber ansonsten sind die Leute echt "cool", als gäbe es mich nicht!
Wissen Sie, so hautnah habe ich Rassendiskriminierung nie gespürt, und natürlich am untersten Ende der Pyramide stehen wir, wir Kontabässe, meine Schwestern und ich. Wissen Sie, als wir auf unsere Abholung warteten, mein Partner auf einer Bank sitzend, ich, wie es meine Art ist, ein wenig lasziv an die Mauer gelehnt auf dem Pflaster. Wissen Sie, nicht nur, daß mich eigentlich niemand zur Kenntnis nahm, nein ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, daß alle es sogar darauf anlegten, mir gegen des Kopf zu treten!
Endlich wurden wir abgeholt. Ich sollte zwei berühmte Schwestern treffen. Die stellten sich aber auch als recht kühl heraus und waren nicht sonderlich kommunikativ. Mein Partner erläuterte meine Besonderheiten, ach, er machte das gut, mein Süßer, gemessen an seiner schlechten Verfassung. Am Ende wurde dann doch noch meine Schönheit bewundert, trotz einiger kleiner Blessuren, die bei genauem Hinsehen nicht zu verbergen waren. Es war mir peinlich, mein Untersattel hatte sich gelöst, nicht tragisch, aber eben peinlich. So war der Besuch am Ende doch sehr aufschlußreich, zumal eine Schwester ein sehr interessantes Bodenskelett hatte. Sie war eine flachbödige Schwester. Meine Bodenrundung ist selbsttragend und mindestens genauso schön geflammt.
Auf dem Rückweg kamen wir voll in die weihnachtliche "Rush-hour", eine Strapaze, ein Gedrücke und Geschiebe, wissen Sie, da bin ich empfindlich. Ich bin eben nicht weich, das ist nun mal, Sie wissen´s ja, mein Karma! Aber trotzdem bin ich, ich erwähnte es, sehr leicht verletzlich. Auch wenn mein Süßer alles tat, mich davor zu bewahren, leide ich in solchen Momenten unter Platzangst.
Endlich wieder zu Hause war die Bettina nicht da. Als diese Frau dann kam, ging das Drama, daß sich die letzten Tage schon angekündigt hatte, los. Weibliche Solidarität hin oder her, ich muß schon sagen, sie hat ihm sehr übel mitgespielt, nichts als Lug und Trug, das nennt sie Liebe!
Im Laufe des Abends wurde meinem bemitleidenswerten Liebsten klar, was ich ihm ja schon lange klarmachen wollte. Saturnkrise -- papperlapapp! Sie hat einfach einen armseligen, falschen Charakter und ihn, meinen Liebsten, nur benutzt.
So, die Einsicht zwar schmerzhaft hart für ihn, aber da muß er durch. Im Grunde meines Stimmstocks war ich ja froh über diese Entwicklung, Sie wissen schon, warum. Ich gebe ja zu, ich will seine ganze Aufmerksamkeit und Liebe für mich. Trotz allem bestanden wir darauf, die gesamte verabredete Zeit dazubleiben, und nicht wie geprügelte, räudige Hunde davonzulaufen. Auch eine Frage der Würde.
Na ja, ich gab ihm zwei Tage Zeit sich zu berappen und durch die Gegend zu laufen. Aber dann wurde es auch Zeit, endlich zusammen die Gegend unsicher zu machen. Also wieder in die N-Judah und mit der B.A.R.T. rüber nach Oakland. Noch eine Schwester und eine Geige. Ach, tat das gut, so aus dem Vollen klingen und die Bälle der Ideen auszuloten und auf die Reise zu schicken durch digitalisierte Tonkaskaden zu flaschenbürstigem Saitengeflirre -- einfach toll wie in warmem Wasser baden, um es Ihnen verständlich zu machen, ich bade natürlich nie! Und Wasser lasse ich nur höchst ungern an meinen zarten Lack.
Zurück zur Musik. Mein Schatz war gut, trotz einiger intonationärer Fehlgriffe, die ich großzügig überhörte. Auch meiner Schwester, sie ist etwa 30 Jahre älter als ich, aber das heißt bei uns Bässen nichts, theoretisch ist unsere Lebensdauer ja unbegrenzt, eben ewig. Also meine Schwester und ihre Partnerin bevorzugte die partiel-digitalisierten Klangwelten. Das kontrastierte gut und die Flüge der Geige, einer entfernten Cousine übrigens, ihre Höhenflüge über meinem creszendierenden Ostinato. Da riß mir eine Saite, auch noch die tiefe E, unglaublich! Sowas ist mir im Leben noch nicht passiert! Scheinbar sind die Anspannungen der letzten Wochen doch nicht spurlos an mir vorübergegangen. Dem großen Hobel sei Dank, war noch Ersatz im Haus. Nun fing das digitale Zauberkästchen meiner Schwester an zu winseln wie ein Hund. Nach kurzer Fehlersuche stellte sich heraus, daß dem Ding nur der Strom zu dünn war. Dann doch lieber eine gerissene Saite. Diese Unterbrechung unterbrach die Wellen der Inspiration, dem Subkontra H sei Dank, nicht.
So wurde es meine erste Session in Amerika. Und wir würden weiter machen und in dieser Besetzung auch ein Konzert geben. Zudem sollte noch eine Geige kommen, mit der ich in meiner Jugend schon oft zusammengespielt hatte. Das war doch alles sehr vielversprechend.
Die Rücktour ging zuerst noch ganz gut, aber dann fuhr die Straßenbahn nicht mehr. Wieder auf der Straße, regnete es in Strömen und wir mußten auf den Bus warten. Auch den Berg mußte mein Süßer mich wieder hochschaffen. So wurden wir pitschnaß -- it never rains in California! Gut, daß mein kleines Rotes mich vor der direkten Konfrontation mit dem ungeliebten Naß weitgehend bewahrte.
Die nächsten Tage waren vergleichsweise ruhig für mich. Mein Schatz war noch liebeskrank, die letzten Ausbrüche der Krankheit, die ja besonders schlimm sind, aber auch Besserung versprechen.
Dann kam der große Tag. Wieder mit der N-Judah mitten rein in den vorweihnachtlichen Straßenrummel. Wieder nur Gedrücke und Geschiebe. Da hatte ich Angst um meine Zargen, zumal in meinem Unterbug schon ein kleiner Riß klaffte, der nach Behandlung verlangte.
Aber so kleine Blessuren übersehe ich an solchen Tagen, da ist meine Aufmerksamkeit ganz woanders. Selbst in der Bart haben wir keinen Sitzplatz bekommen, na ja, Downtown Oakland war auch gleich die übernächste Station. Und von dort bis zu dem Club war es nicht weit. Wir waren früh da, und konnten uns in Ruhe auf die Atmosphäre einstimmen. Ich glaube, amerikanischer kann ein Club gar nicht sein. Die Wände hingen voll mit Cowboybildern, Rock´n Roll Stars, Football Siegesurkunden-- natürlich nur Regionalliga- und Mickey Mouse war selbstverständlich auch da. Schon ziemlich schrill, das ganze. So kitschig, daß es schon wieder gut war. Und die Bühne erst! An Seiten- und Rückwand hing über die gesamte Länge überdimensionales Lametta in rot und gold, das später mit einem störend lauten Ventilator auch noch in Bewegung gesetzt wurde. Oberschrill! Wie immer, kamen von denen, die zugesagt hatten, nur ganz wenige. Aber mein Süßer war so guter Laune, daß die Frustration darüber nicht allzu groß war. Schließlich sind wir so etwas ja gewöhnt.
Aber Bettina war da!
Vor uns spielte einer amerikanische Lieder zum Banjo und zur Gitarre, nicht übermäßig spannend, aber ganz nett. Danach noch eine Frau, die so eine Art improvisierte Comedy machte. Ich habe nicht alles verstanden, aber es war schon eine Steigerung im Programm. Dann kamen wir endlich dran! Mein Schatz hatte beschlossen, eine Liebesgeschichte in Gedichtform zu präsentieren, so quasi als Abschiedskonzert für Bettina.
Die Gedichte brachten wir auf deutsch, mein Süßer führte die Texte, recht einfühlsam und amüsant auf Englisch ein, und gab Zusammenfassungen vorweg.
Ach, wir zwei waren gut und mit viele Energie zogen wir alle Register, Pitz, Arco, mehrklängig, slappig, bis zu flageolettigen Klangzärtlichkeiten.
Wenn Du mich vergißt, bedenke, werde ich Dich schon vergessen haben!
Wir waren voll zusammen. Bettina saß mit eingefrorenem Lächeln am Tresen und tat, als ginge sie das alles nichts an. Dabei haben wir unsere ganze Seele gegeben, sie ein letztes Mal tief zu berühren. Das ist uns wohl in der ganzen Zeit nicht wirklich gelungen. Was soll`s, der Rest des Publikums war begeistert, auch wenn es nicht alles verstand.
Danach kam allerdings der wirkliche Höhepunkt des Abends. Unser Streichquartett! Zwei Bässe, zwei Geigen. Ich glaube, so etwas hat es in diesem Laden noch nicht gegeben. Mit dem ersten Ton wußte ich, das wird gut. Und welche Freude, wieder mit der Geige zusammenzuspielen, mit der ich in meiner Jugend schon so viele berauschende Konzerte gegeben hatte. Die Bögen spannten sich, feinsinnige Linien, treibende Ostinati, tollkühne Geigensalti, funkige Trommelstockwirbel, die meine Saiten wildpercussiv zum Schwingen brachten, linkshändig harmonisch definiert. Und wieder bogenzarte Romanzen, so richtig zum reinlegen und dahinschmelzen.
Bei einer Nummer hatte ich Pause, mein Süßer trug ein eigenes Gedicht in englisch vor, vom Trio begleitet -- schon beeindruckend. Dann wieder Quartett. Das steigerte sich immer weiter. Meine Schwester und ich, welch traumhaft sicheres Zusammenklingen -- flaschenbürstig, bogenkühn, und unsere Cousinen -- flirrende Kolibris in höchsten Höhen.
Wissen Sie, das sind Momente tiefen Glücks! Dafür lohnt es sich auf der Welt zu sein. Wir waren erfüllt, mein Süßer und ich. Unser erstes Konzert in Amerika, an diesem skurrilen Ort. Das war toll. Danach spielte die Veranstalterin selbst, zu E-Gitarre und von dem Banjospieler begleitet, Gassenhauer der Endsechziger. Wir sind mit eingestiegen und haben noch drei Nummern mitgespielt, aber Rock n´Roll ohne Rhythmus ist einfach Mord! Und die Dame hatte kein Maß.
Na ja, noch ein Bier, dann sind wir auch wieder los. In der Bar stellte mein Schatz fest, daß er das Buch, in das er seine Gedichte schrieb und in dem auch meine Geschichte, von mir diktiert, geschrieben wurde, vergessen hatte. Wenn Menschen ein Bier zuviel trinken!
Die Konfrontation mit einer Tür kostete mich die zweite Saite, trotz Overall. Zwei Saiten, in vier Wochen, das habe ich wirklich noch nicht erlebt! Es ging eben einiges kaputt auf dieser Reise! Letztendlich hatte er den Schlüssel vergessen. Gut, daß wir noch nicht allein in der Wohnung waren. So endete der Abend noch etwas stressig, schade.
Aber das Buch haben wir wiedergekriegt am nächsten Morgen. Ein paar Tage später war Bettina weg, kein Wort mehr, nur eine Karte zum letzten Abschied. Fünf Zeilen Belanglosigkeiten. Da hat sich mein Liebster nur noch verhöhnt gefühlt und war traurig. Die nächsten Tage verliefen sehr ruhig, wir waren ganz allein in der Wohnung. Nachlese einer Liebesgeschichte.
Ja, was ist die Liebe? Nur die Illusion, die Leere anzufüllen mit heißem Atem, oder doch, das vollkommene Einssein -- ohne vom Ich zu lassen? So ist es ja genaugenommen bei uns, wir sind zwei freie Wesen, jeder mit seinen Eigenheiten, aber wenn wir zusammen sind, im Klang vereint, das ist als würde sein Blut durch meine Kapillaren fließen. Eben -- vollkommen Einssein, ohne vom Ich zu lassen. Ergo führen mein Partner und ich die ideale Beziehung! Nur die weichbäuchigen Seiten des Lebens, derer müssen wir uns enthalten, leider, leider!!
So langsam mußten wir uns nun Gedanken machen, wie ich in meinem Flight-Case wieder zum Flugplatz kommen sollte.
Vorher jedoch war noch ein besonderer Tag für meinen Süßen. Er hatte Geburtstag, und seinen Vierzigsten noch dazu. Um diesem Tag die rechte Würde zu geben, beschloß er mit mir nach Point Lobos zu fahren, um auf den Klippen, die scharf abbrechen zum Meer hin, das pausenlos den Felsen schlägt, dem Pacific unsere Hommage zu spielen.
Wir nahmen nicht die N-Judah, sondern wollten den Bus von Height St. nehmen. So bekam ich doch noch einen Eindruck von Height Ashbury. Aber was für eine Ernüchterung! Obdachlose Kinder und Security Guards neben den Eingangstüren der oberschicken Geschäfte. Und Jerry Garcia als verstaubte Wachsfigur in einem Gitarrenladen greatful dead?!? Sterben so fahlgewordene Träume?
Wir mußten fast bis Golden Gate Park laufen, bevor wir den Bus erwischten. So über die Hügel zu gleiten, mal das Meer in der Ferne sehend, mal nur an den numerierten Querstraßen seine abnehmende Entfernung wahrnehmend. Und dann der Pazifik! Welch ein erhabener Anblick!
Wir schlenderten am Strand lang auf die Felsen zu. Und überall Leute aller Rassen und mit allen möglichen Hobbys. Surfer, Drachenwagenfahrer, Hundebesitzer, Jogger, Reiter, Frisbeecracs, Ballwerfer und, was mir am besten gefiel, Strandmaler. Ihre Kunst so vergänglich wie meine, ohne Farbe die Farbe der Landschaft zeigend, als schillernde Furche im Sand. Vergängliche Träume!
Mein Liebster mußte ganz schön schleppen wieder rauf am Cliffhouse vorbei, wieder runter durch die Ruinen eines alten Bades, das das Meer sich schon vor langem zurückerobert hat. Wieder rauf und jetzt richtig steil und mein Süßer kam ganz schön ins Schwitzen und keuchen. Naja, wissen sie, das Schwerste an uns Kontrabässen ist der Transport. So ging‘s noch etwas weiter. Richtung Point Lobos und vom Weg ab, rauf auf die Klippen. Er mußte sich ja etwas erholen von der Schlepperei, so hatte ich Ruhe, den Rhythmus des Meeres in mich aufzunehmen. Die Sonne stand schon tief, als ich meinen Overall abstreifte und nun erst die Grandiosität der Landschaft gänzlich begriff, und unseren luftigen Platz am Rand dieser Felsenzunge. Ich bin nicht wirklich ängstlich, aber das zarte Holz meines Korpus und Felsen vertragen sich auch nicht gut. Würde ich hier runterstürzen, wäre der möglichen Ewigkeit meines Seins ein jähes Ende gesetzt.
Dieses Meer, dieses Licht, die Erhabenheit der Szene bliesen jede Ängstlichkeit hinweg. Als flageolettig meine Saiten in Stimmung kamen, ahnte ich schon welch ein akustischer Genuß das Spielen zwischen den Felsen über dem tosenden Meer sein würde.
Mit einem leisen Legato mischten wir uns in des Ozeans Toben, langsam crescendierend trieben wir eine melancholische Melodie in den Rhythmus, der sinkenden Sonne entgegen. Mein Geliebter, er war wieder gänzlich bei mir. In diesem Augenblick waren wir ganz Eins, das Meer, der Felsen, die errötende Sonne, er und ichund die Musik. Und das Meer spielte mit uns, steigerte seinen Puls, und in Sechstolen jagte mein Süßer über das Griffbrett bis hinauf in flirrende Höhen, sich beinahe verlierend, doch in vielgeschichteten Intervallen hinabzusegeln in erdiger Tiefe und in satten Zweiklängen das dunkelnde Sonnenrot zu kommentieren. Welch ein Gefühl!
Verzeihen Sie, das sind Augenblicke, da vergesse ich mich leicht, wie Sie ja schon wissen. Aber all die Reflexionfrequenzen von den Felsen, zumal in so luftiger Höhe, da kann einer wie mir schon mal kribbelig werden. Mit den letzten Sonnenstrahlen stiegen wir vom Felsen und am kupfern zerfließenden Rand des Meeres entlang, zurück zum Bus.
In einem guten Restaurant gönnte sich mein Süßer noch ein Geburtstagsessen, während ich, lasziv an die Wand gelehnt, die Töne noch nachklingen ließ. Den Abend beendeten wir auf dem Deck des Hauses mit Blick auf Downtown San Francisco und über die Bay bis nach Oakland rüber. So klang der Tag noch würdig aus, wir beide allein, und mein Liebster nippte einen Scotch.
Nun, wieder zurück zu unserem Transportproblem. Nach einigem hin und her wurde klar, daß uns Schneewittchen wieder chauffieren würde. Das war doch noch ein guter Abgang zumal die anderen Mitbewohner, wieder zurück, noch sehr nett zu uns waren. So war der Abschied aus Amerika nicht ganz so traurig.
Wieder in dem Blechsarg zu liegen behagte mir gar nicht. Zumal die schon erwähnten Zipperlein nun doch drückten. Die Behandlung auf dem Flugplatz war diesmal besser, das muß ich schon sagen. Dafür war der Sicherheitscheck um so gründlicher. Hören Sie, es ist doch sehr intim, so durchleuchtet zu werden. Denen bleibt ja nichts verborgen. Nur, was sie suchen, finden sie bei mir nicht. Ich und Bomben legen lächerlich! Obwohl, manchmal würd‘ ich ja gerne, aber wirklich machen? Wie auch? Fliegen war jetzt schon fast nichts Besonderes mehr. Erheiternd war das Liegen in meiner Blechkiste jedoch nicht, auch, da ich ja von Amerika etwas desillusioniert bin.
Bei der Landung in London war mir schon beinahe heimatlich zumute. Aber kaum ausgeladen fühlte ich mich auf einmal wie in einem James Bond FilmÜberall Security Guards mit MP, als besichtige die Königin persönlich die Frachthalle. Und gleich wieder durchleuchtet. Gleich zweimal, denn beim ersten Mal gab‘s Alarm! Eingezwängt in mein Blech hatte ich da kurz das bestimmte Wissen im nächsten Augenblick in die Luft gesprengt zu werden, aus Sicherheitsgründen. Die Uniformierten schoben mich nochmal durch die Durchleuchtungsmaschine. Wissen Sie, sich so intim vor einer Horde uniformierter Männer, zudem noch bewaffnet, entblößen zu müssen, ist demütigend! Ich sage es nochmal: Unser Dasein ist die Kunst, die Erhabenheit des Klanges. Und die verträgt sich schlecht mit eisernen Pistolen und billigem Rasierwasser, massiv überdosiert, aber das nur nebenbei! Jedenfalls war ich doch froh, beim zweiten Mal ohne dieses stimmstockerschauernde Alarmquiken durch das Höllending gekommen zu sein.
Sehen Sie, meine Herren, ich bin eben kein Geigenkasten! In denen wurden früher mal des öfteren, Al Capone-mäßig, die Maschinenpistolen verborgen. Nebenbei, ich bin mir gar nicht sicher, ob das nicht nur eine Erfindung des Kintops ist.
Das war ja nicht gerade ein freundlicher Empfang in Good Old Europe. Dafür waren die nächsten Stunden deutlich amüsanter als befürchtet. Ich war nämlich am zentralen Frachtverteilpunkt abgestellt, und für all den vorbeiziehenden Trubel hatte ich einen Logenplatz. Das Beste: die beiden Transportprofis, die all das Verschieben, Umladen, Umdeklarieren, die Frachtscheine gewissenhaft abstempelnd, erledigten. Der eine aus Schottland, unüberhörbar! Genau wie bei dem anderen der distinguierte Londoner Akzent! Diese beiden waren filmreif. Monty Pytons Flying Circus absolutly live! Ach war es gut, in London zu sein. Wie ein vollmundiger Wein, der einem den Geschmack von Zuhause gibt, um es Ihnen verständlich zu machen, ich trinke natürlich nie!
Ja, wir sind eben doch Europäer, mein Partner und ich; etwas altmodisch? Aber diese Sprache klang so viel satter als das californische, entschuldigen Sie, Gequake! Ich bin eben ein Sound Typ!
Mit dem Schichtwechsel meiner Frachtprofis wurde ich in die Maschine nach Hannover verfrachtet. Der Rest war Routine. Die Abholung war bestens organisiert, und spätnächtlich wurde ich aus meiner Büchse gepellt und auf meinen Stammplatz neben dem Klavier gestellt. Home again!
Diesmal war meine Stimme nicht so dünn geworden wie bei der Ankunft in San Francisco, sondern voll und rund. Also nach dem obligaten Gutenachtküsschen schwangen meine Saiten noch lange, um meinen vielen Schwestern, die neugierig lauschten, die Klänge jener Stadt hörbar zu machen.
Dieses war Amerika, dieses ist die neue Welt! ? !
Ende
G.-H.W. 1998
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30,- Euro
Sünnenblink Musikwerkstatt, G.-H. Windelband, Schloss Barenaue, D-49565 Bramsche
Fon: 49(0)5468/989088 Fax: 989089, ghw@suennenblink.de
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Allen verratenen Liebenden,
die im Meer ihrer Träume segeln.
Nur ein Tageslicht
nach dieser urgewaltigen
Liebeswolke
stehe ich,
verloren,
einem Pfennig im
Rinnstein gleich,
zwischen tausenden
farbloser Gesichter
Und platzbeängstigt,
jeden Augenblick Dein Lächeln
erhoffend,
wissend,
es erstrahlt
zwischen Lammkeule
und Wein
weit fort
--
später
sommernachtsträumend
im Park
grauenvolle Visionen
und
zärtliche Sehnsucht,
wilde Bilder
"Amor ist in wirrer Troll,
macht die Menschen liebestoll"
toll vertollt unter schwarzen Wolken
wandle ich am Rande meiner Existenz,
-Strandender am Ufer eines anderen Seins-
.--.
Ich glaube, ich muß mich
vielmehr an Deine
Stimme erinnern,
die manchmal wie
rückwärts stolpernd klingt,
und an Dein
meerleuchtendes Lächeln,
das ich beinahe
schon vergesse.
Und auf der anderen
Seite der Welt,
vorwärts hastend,
Dein Bild,
verschwimmend,
und das Leichteste,
das genügen sollte,
zu schwer wird,
um zu genügen.
.--.
Tschingderassa, Tschingderassa,
schönes Spielzeug tanze,
bis ich dich nicht mehr mag,
dann nehme ich mir ein Anderes,
das hüpft den ganzen Tag
(Tschingderassa, Tschingderassa)
.-.
Wir beide verliebt
wie nur zwei Wellen
sich lieben,
nicht ahnend,
daß sie schon beim
nächsten Sturm auseinandergetrieben
und verschlägt es die Eine
in gischtschäumende, sonnige Weite,
die Andere taucht tief
in des Ozeans dunkle Seite
.--.
Komm ich will mit dir
den Ozean glätten
und Saturn die Monde klaun
und quitschvergnügt
von solchem Tun
möchte ich nur
in deine Augen schaun.
Komm ich will mit dir
die Sterne küssen
und die Mondin trinken
und berauscht von
soviel Universum
in deinen Armen versinken
.--.
Himmelstränen
die Maske
verfließt zur Grimasse
das Lachen
entstellend
--
Der Clown im Regen
.-.
Was ist die Liebe?
Die Nähe, Stunden
innigsten Vetraut seins
oder - die Ferne
Dein Schweigen,
und ich donquichottig
gegen die Geister
der langen Messer,
die nächstens mir
ins Herz bohren,
anrennend.
Deine Worte,
Glückstau aus anderer Welt,
Mäander von Ahnungen
die mir Süchtigem
Labsal und Pein
bescheren.
Was ist die Liebe?
Die Sehnsucht
die Leere anzufüllen
mit heißem Atem?
Oder
das vollkommene
Eins sein
ohne vom Ich zu lassen?
.-.
Fort für lange Zeit
Du liegst hier noch überall rum
Deine Socken,
Pullis, Schuhe,
beinahe als wärst
Du noch da
Doch in ein paar Tagen
bald alle Spuren
verblassen
.--.
Du Walin in fernem Ozean
hörst Du mich singen
verloren in der blauen Weite
des Nordmeers
das große Klingen
Ich Wal in zauberischen Tiefen
singe für Dich Walin
und ich werde singen
bis wir, wieder vereint, die Wellen
im wilden Rausch durchschwällen
.-.
Mehr sah ich nicht vom Tag,
nur Du warst nicht da,
doch überall Deine Spuren,
und einem erschrockenen
Tiger gleich, suchte ich Dich,
überall
hinter Büschen, Bäumen,
in der Küche, auf dem Dach,
selbst im Fluß
suchte ich nach Dir,
Geliebte!
Und Dein Geruch
und Deine Zeichen
überall
überall
Nur finden werde ich Dich
wohl nicht
Du, in der Ferne
doch sie sein,
wenn gestern morgen ist,
und heute gestern.
Weißt Du denn,
daß Du in meinem Herzen
tief verwurzelt bist,
in meinem Herz voll Tiegerblut?
Und so bleibst Du, aus jetzt,
im meinem Leben
überall
überall
überall.
.--.
Verkaufen wir den Abschied,
der mir zu teuer ist.
Ich kann ihn mir nicht leisten.
Wo Du mir doch so wertvoll bist.
Ich kann nicht schlafen,
ohne Deinen Arm,
ich kann nicht leben,
ohne Dein Lächeln.
Doch Du gingst fort,
und ich singe nur
mein armes Lied.
.--.
Schenk mir diesen Augenblick!
Mitternacht bei Dir,
neun Uhr morgens hier.
Schenk mir diesen Augenblick,
bevor Du einschläfst,
und ich, grade im Erwachen,
zärtlich an Dich denke,
und so die Linien spannen,
von Augenblick zu Augenblick,
von hier nach dort,
fort um die halbe Welt,
und schaffen das Gefühl
von Gegenwart.
Schenk mir diesen Augenblick,
das wir gemeinsam sind,
und mein Traum
die Linie quert
und ein letztes Lächeln
von Dir erfährt.
bevor er mit
Deinem Traum vereint
Deine Nacht durchfährt
Schenk mit diesen Augenblick
.--.
Eben fand ich,
völlig verblichen,
im Gras ein Spielzeug
aus einem Überraschungsei,
denk an das Frühstück
mit Dir und den Spaß dabei,
das Lachen, die Scherze
über den witzlosen Clown.
Wie lange das schon her ist,
wie lange ich Dein Lachen
schon vermisse,
nur das verwitterte Plastik
in meiner Hand,
ist meiner Liebe ganzes Pfand.
.--.
Dich suchen,
rasend, berauscht
berste ich durch die Welt
Dich suchen
und suchend
mich selbst zu befreien
von dieser Liebe
die poltergeistig
mich durchbebt
und von
Deiner Verwurzelung
in mir.
Darum berserke ich
durchs Land.
suchend
nach Befreiung
außer mir
oder besser noch
in Dir!
.--.
Sing meine Lieder
wenn ich fort bin
um auch in
ozeanischen Landschaften
von Vergänglichkeit
das Ewigsein meiner Liebe
herauszufordern.
Selbstgeißelnd,
mit aller möglichen Widernisse
und der Unterstellung
Deiner nichtsahnenden
Schäbigkeit,
deren Eigenart ich doch zu kennen meine
und weiß, sie einzuschätzen,
ich weiß auch um Deine Liebe,
die von ferne her weht.
In meiner atemlosen Suche
nach Dir
in der wasserländlichen Weite
des Meeres,
mit meinen selbstgeschlagenen Wunden,
brennend wie unsere Liebe,
ihre Ewigkeit, ihre Vergänglichkeit ?
Sing meine Lieder,
wenn ich fern bin
Dich zu finden.
.--.
Laß selig meine Hände
über Deinen Körper gleiten
ein Hauch
über flaumbedeckten Weiten
Laß innig meine Augen
in Deinen Augen meertief wogen
daß ein Ahnen vom Paradies
um keine Augenblick betrogen.
.--.
Ein Stier
in der Arena
tob ich,
schnaubend hier
kraftstrotzend
doch gefesselt
in der Enge hier
ich will fort
nur fort von hier,
will Länder durchrasen,
Ozeane überspringen
nur zu Dir,
atemlosen Schrittes.
.--.
Walin in fernem Ozean,
fühlst Du der Wellen Schwingung,
mein Herzschlag setzte sie in Gang,
schickte sie auf die Reise zu Dir.
Ich bat den Wind, mir zu helfen,
und er trieb sie an,
und höher schlagen sie,
wie stündlich mein stürmisches Blut.
Doch landen sie bei Dir
in Frisco Bay an ?
Spürst Du meinen heißen,
atlantischen Herzschlag
in der Kühle des Pazific ?
Macht er dich nicht sehnen
nach unseren wilden Ritten
auf dem Lava sprühenden
unterseeischen Vulkan ?
Doch wenn Du nicht merkst
die rhythmischen Schauer
auf Deiner Haut,
soll ich denn
den ganzen geliebten Atlantik
mit gewaltigem Sprung
in die Luft,
aufklatschend
überschwappen lassen,
das er sich gänzlich
dem Pazific ergießt
und alles im Weg mitreißend,
Dir das ganze Meer
mein Herz vor Deine Schwingen spühlt?
.--.
Augenblicke sind
Schwingen eines Schmetterlings.
Pralle Farbenpracht
im Sonnenlicht.
Doch blitz zusammen
Farben lautlos krachen
und tiefes Schwarz
das Licht verlacht.
.--.

Laß lodernd Liebesflammen schlagen
aus der Glut, die wir im Herzen tragen.
Laß berstend Liebesfluten fließen,
und über Haut und Haut vergießen.
Laß flaumend Liebeswolken steigen,
hochwärts vereint im tollen Reigen
Laß sandig meine Hände gleiten
über Haut und Herz - für alle Zeiten.
.--.
Rot, blau, violett
über Nebelschwaden
schwimmen über des Flußes Bett
schwarzer Reiher Flügelschlagen,
hebt ab zu Dir.
die wir in der Minze lagen
am Fluß des Wassers hier.
Wärst Du bei mir in dieser Stunde,
läg meiner nur an Deinem Munde,
endlos-Münder kennen keine Stunde.
Fische springen dämmerschimmernd
Vögel über Felder wimmern
Moose an des Flußes Ufer
grünen mich zu Dir.
flaumbedeckte Schenkel Zärtlichkeit
doch Du so fern von dieser Zauberheit
des Flußes im Abenddimmer.
.--.
Variationen
Wilder Pferde Widerschein
im irren Mondgeflimmer
Nebelgeister lichtweiß rein
huschen lautlos immer
doch wilder Pferde Schrecken
sind sie nimmer
Wilder Pferde Widerschein
in irrem Mondgeflimmer
Nebelgeister lichtweiß rein
umtanzen tausend Wolkenschlösser
Fledermäuse tollkühn toben
zwischen Wolkenrinnen droben
Eule gleitet lautlos erdwärts
und der Maus die Stunde schlägt
.--.
Wünsch Dich in meine Arme
auf der lichtgefluteten Wiese hier,
die Federball überflogen
den nahen Fluß spüren läßt.
Ihn durchschwimmend,
erreichten wir das andere Ufer
Boote trugen uns sanft Flußab,
unsere Liebe wiegend.
Doch treib ich nun alleine
dem Meer entgegen.
an dessen Gestade ich Dich geküßt
und mein Schiff wird segeln
Kurs Südwest
und täglich wird mehr sehnen
um Mast und Fallen stöhnen
.--.
Kontrabass am Golden Gate
tiefe Töne um Dein Sein weht.
Doch geht das nicht auf die Reise
um die Halbe Welt?
Die tiefen Klänge singen,
die von Diesseits schwingen.
geheimnisvolle Linien reiten,
wilder Tanz zwischen den vier Saiten
in Dein Herz sich wirbelt
und wohlig in der Saite zwirbelt
..
Ich bin
ganz ganz
auch ohne Dich
kann ich bestens leben.
Doch Schein und Leuchten,
eben die Farbe in der Welt,
die zauberischen Schatten,
die bringt Dein Meerlächeln
in mein Leben.
.--.
Du meine Zwiebel
Wie gern würd ich
dich häuten
Blatt für Blatt dir alle Häute nehmen,
bis auf die letzte, die ich liebe
zartnackte Zwiebel in meinem Arm.
Diese letzte will ich lecken,
Salz der Erde schmecken
von Deinem Flaum
bis in Dein Zwiebelherz
und meine Tränen
vergieß ich nicht aus Schmerz.
.--.
Das Bett ist frisch bezogen,
doch ich könnte schwören,
Du wärst hier
Dein Geruch, Deine Schuhe
und die Zahnpasta-Spritzer im Bad
.--.
In die Kissen versunken,
bei Kerzenschein erwacht
Traumgewebe
die sehnende Haut verlacht.
Ich will mich zärtlich einschreiben
in Deiner Haut, Geliebte
daß Du immer bedenkst
die Zeilen meiner Leidenschaft.
Und trennen uns auch Kontinente,
und Haut die Haut vergißt,
soll tief in Deinen Bahnen
mein Feuer glühen,
daß Du mich mehr und mehr vermisst
.--.
Manche Tage sind
einstürzende Kartenhäuser
beinahe lautlos
zusammenbrechen
und in
Bierlachen versinken
.--.
Sonnenbeschienene sanfte Hügel
lassen mich Deine Brüste ahnen,
hingegeben meiner Zärtlichkeit.
Dein ausgestreckter Körper
unter meiner Finger Spitzen,
des Bauches Wölbung
atlantische Dünung.
Doch tiefer kocht der Vulkan,
den mein saugender Mund
letztlich doch löschen wird,
und Deine Brüste mich
sonnenbeschienene Hügel
ahnen lassen.
.--.
Diese Universum
ist der manifestierte Traum
eines Klanges
der, längst verklungen
doch weiterschwingt.
.--.
Wenn Nebel steigen
über Fluß und See
und schwimmend
im Mondlicht
in der zauberischen Tinte
mein einsames Herz
über wässrigen Tiefen
Dich missend,
ahnend, wissend,
des Wassers Tiefe
der Seele Spiegel ist
.--.
Deines Abwesend Seins überdrüssig
an diesem diesig, dumpfen Sommertag
bin ich mir nicht schlüssig,
was lieben und geliebt vermag
wenn Herz, so fern dem Herzen, sehnt
wird Nähe nah,
wie ferne Nähe war?
.--.
Lägst Du bei mir jetzt
würd meine Zunge kreisend
Deinen Nacken reiben
und es zartspitzig
hinter Ohren treiben
meine handinnigste Fläche
die Knospen Deiner Brüste weckt
Wange flaumt an Wange
Bauch in Rücken fließt
meine Männlichkeit sich reckt
Deiner Weiblichkeit entgegen.
Heißer Atem, wilde Küsse,
des Feuers Erfindung
im Meer Deiner Augen.
.--.
Irres Regenprasseln,
auf des Sees Windgekräusel
schwimmend vor meinen Augen
vollkommene Wassersäulen
die Tropfen erzeugen.
Sturm hebt an
und das nahende Grollen
- nur fliehen
in Deine Arme, Geliebte!
Doch die Schwärze mich einholt
mit Blitz und Donner
elektrisiert
ist Blitz und Donner
nun in mir.
Fern Deiner Arme Geliebte,
den Urgewalten hingegeben
und mit wilder Tigerkraft
groll ich das Grollen nieder
und ein Hieb meiner Pranke
blitzt den Donner hinweg.
Nun ist Stille
und Stille ist in mir
auf tigerstillen Sohlen
treib ich jetzt umher.
Der Regen verwischte
Deine Spuren,
ein wenig, Gazelle,
aber ich will dennoch
aufbrechen, Dich zu suchen, Ferne.
Uns lehren,
der Gazelle Sein,
will den Tiger nicht missen,
des Tigers Leben ist leer
ohne die Gazelle lieben..
.--.
Laß ledig mein Herz
das Deine freien,
auch wenn halbweltig
unsere Körper getrennt verweilen
und Zeit die Ferne nährt,
will meine Liebe flammmend singen
von den vielen Feuern
die wir im Rausch bezwingen.
Das Heimweh Dich packt
am Golden Gate
aber Du weißt ja,
Abenteuer mußt Du
mit Angst bezahlen
und mit Einsamkeiten.
Doch mehr als eine Ozanferne
träume ich mich zu Dir
erdenschwere, kleine Abenteurerin.
Neben Dir in den Pazific spucken
und zärtlich Dich umwirken
im Taumel der Stadt.
Neon im Widerschein Deiner Augen
und mein wildes Hauchen
hinter Deinem Ohr
sich gäsehäutig manifestiert
und ich Dir anderssprachig
meine Begierde singe
und zart an zart werd ich mich schmiegen
das Heimweh fern und ferner wiegen.
.--.
Wenn ich einmal fortgehe von hier,
weil mich nichts mehr hält,
von den Freunden vergessen,
wie auch ich sie vergaß.
Wenn ich dann fortgehe,
müde, traurig und leer
werde ich dich in meinem Herzen
bei mir tragen,
Traumbild jenes Sommers,
ferne Geliebte dieses heißen Winters.
Und ich werde wieder segeln,
lautlos über die Meere ziehen.
sturmgebaute Wellen brechen
in flautiges Windsehnen,
passartiges Fliegen
und ächtsende Fallen über der Kreuz.
Wo wird dann wohl
des Steuermanns
letzte Ruhestätte sein,
in karibischer Leichtigkeit
oder arktischem Leuchten?
Dort wie hier
des Atlantiks Wasermassen
die Zellen meines Seins
und die Liebe in meinem Herzen
durch alle Meere spülen.
.--.
Durch des Gartens Gräsermeer
wandle ich
apfelschwere Äste
fallender Last
ausgeliefert
und von 100 Äpfeln
die am Boden liegen
umschwärmen 100
kleine Füchse meinen Fuß ?
flirrend schwarz, orange und weiß
haltlos im Herbstwind taumelnd
und doch gärende Apfelsüße
sicher finden.
Von leisem Tritt erschreckt,
trunken sich dem Wind hingeben
und berauscht von soviel Süße
erfüllt sich der Raupe Traum,
in voller Farbenpracht
im Rausch die Welt hinauszurauschen
süßer Apfeldüfte flauschen
halbverblassend vergehen - ganz sacht.
.--.

Soll ich denn wirklich untergehen
mit meinem havariertem Schiff
im unbändigen Sturmrequiem?
Das Hecklicht längst erloschen,
zur Spurlosigkeit verdammt
in atlantischer Landschaft
voller Toben.
Ich reiß am Ruder,
und bring mein Schiff
nochmal auf Kurs,
gerupfter Schwan
im Sinus der Wellen.
Horch
des Requiems Finale hebt an,
und ich kann nur
vor Topp und Takel lenzen.
Wird am Ende des gewaltigen Opus
ein leiser Passat
meinen Epitaph singen ?
.--.
Ahnung vom Mond
hinter sturmgetriebenen Wolken
-blaß schimmernd -
-hinter Schwärze verborgen -
Wie die Ahnung von Liebe
oder Nichtliebe
mein Herz durchströmt
denk ich an Dich, Ferne
und die Herbststürme
durchtoben blaßmondig
mein Sein.
.--.
Herbstsonne,
rasende Wolkenherden
in des Himmels blau
rasend auch mein Herz
das sich, gefesselt noch,
die Freiheit nimmt,
Dich zu lieben
oder Dich nichtzulieben,
handeln, absichtslos,
Dir zur zarten Freude
wünschend Du wissest
die Liebe
das Kind
der Freiheit ist.
.--.
Punktum
Der Punkt als Ort ohne Ausdehnung ...
Die Konzentration des Wesentlichen
im beinahe Nichts ...
Oder - die beinahe nichtige Konzentration
des Wesentlichen ...
Oder doch, die wesentliche Konzentration
auf das nichtige Beinahe ... ?
.--.
Hör ich den Klang
der fremden Straße
der Menschen froschiges
Gequake im Café
riech ich die Vielfalt
dieser Stadt
bringt mich alles
nur zu Dir, Geliebte
die in tausend Mauern
ihre Freiheit sucht
und durch tausend Türen
meine Liebe nicht einläßt
in Dein Herz.
.--.
Von weit her
kam ich
hier in des Pazific `s Kühle
wohin noch kein Wal
aus atlantischen Weiten
seine Walin schäumend suchte.
Viele Monde zog ich
durch der Wellen
rastloses Schlagen.
Die tosenden Wasser
um Kap Horn
schlugen viele Wunden
die der stille Ozean
nur wenig kühlte.
Das Leuchten Deiner Augen
trieb mich immer wieder an
wieder mit dir tauchen
auf den Grund der Bay
doch endlich hier nun -
verlor ich Deiner Schwingen Spur
wo - wo bist Du nur ?
.--.
Nun,
da der tiefverwurzelte
Liebesbaum
langsam aus meinem Boden
gezogen wird,
ist mir schmerzhaft müde.
Nur wünschend,
nicht zu sein.
Um der Entwurzelung Schmerzen
zu entgehen.
.--.
Wieviel Angst mußt Du
vor Dir selber haben
daß Du Dich so versteckst
hinter schillernden Fassaden
und Dich selbst nicht siehst
und aller Reden tiefer Sinn
nicht aus Deiner Seele fließt
ein Bach ohne Quelle
er "fließt" nur auf der Stelle.
.--.
Yesterday I was just walking
through China-Town
suddenly something makes me stop
and think
thinking about love.
First of all love is
a four letter word
that's for sure
but is it also another word for
being cheated,
another word for pain?
Seams to me, this city
isn`t the right place
for deep feelings
and everybody is afraid
to let them grow.
Round the next corner
a dozen dogs were playing
on a sheet of gras.
Why do the people have
so many of them?
Do they think, they can`t lie
like humans ever do?
Ore do the dogs own them?
Afraid of these questions
I've been in a hurry
just wanted to escape.
On my way I meet a sealion
with sunglasses and
nice`s on his feet.
He asked me for some change
and we got for a drink,
he told me, he had to go
with the times
witch are changeing,
so even a sealion
needs an ATM card today
`cause fishing alone
is completly dated.
The problem with the card
is only the signature
but he wants to manage this
by the way.
After a couple of whiskeys straight
he runs of for a date.
To late to say bye,
so I entered a hill
grazing at the path behind
while a cigar smoking cat
lying on a fence
noticed me.
She asked me for my reason of life,
I said, maybe to win the jackpot,
but she didn`t agree
told me, this life is just the reason
for the next that will be done.
Sorry, I didn`t like this impression,
right in time
specaly done by a rare San Francisco tiger.
So I went back to the bay
there are some crazy freaks
were bathing in the cold sea.
I just catched a cold by watching them,
so I decided to run away home.
Well, later on the deck of the place
where I did stay, I was smoking
and thinking all of the day
as a tough brushing recoon ?
from the neighbour`s roof asked me
for a glass of water
to wasch the foam away
I gave it up to him
and asked him by the way
"What is love ?"
He just started laughing
and craveled his way.
.--.
Helmsman‘ Song
The wind’s blowing eastward
and the wind is blowing cold.
I stand alone at the end of the pier,
waiting foe my ship
to take me away from here.
This harbour was full of feelings
they growed and they died.
In her arms Ifelt happy, in her arms I felt right,
in her arms I’ve been feeling home.
To be tired on her side
was a warm flood in my soul
afterall this Times of being alone.
The wind’s blowing eastward...
But after a short time
she run away from me.
She used me
like a toy in the night
only to leave it the next day behind.
I’ve been angry, I’ve been sad,
trated like a worthless grain of sand.
The wind’s blowing...
So I decided to go sailing again
On the ocean wide to think of Marlen,
and why everything happend the way it did.
And all the deep moments
I’ll miss in the night,
when the helmsman don’t have to be on the guard.
And the waves flood my dreams,
it’s like the flood near by her side.
And the wind’s blowing eastward,
and the wind’ is blowing cold.
I stand alone at the end of the pear,
waiting for my ship to
take me away from here.
.--.
Reprise
Noch einmal Dich gesehen
der Wände Kälte
und der Riß im Herzen
bereitet ferne Schmerzen.
Des Tigers Wut ist nur noch
fernes Grollen
und ein Wogen in mir -
von grauem Frühling.
G.-H.W. 1997 - 1998
Alle Rechte beim Autor. Verwendung nur mit ausdrücklicher Genemigung!
Sünnenblink Musikwerkstatt
G.-Heiner Windelband
Schloss Neu-Barenaue
D-49565 Bramsche
Fon:49(0)5468/989088 Fax:909889
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